Werbungskostenabzug bei Arbeitszimmer in hälftigem Miteigentum beider Ehegatten

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Werbungskostenabzug bei Arbeitszimmer in hälftigem Miteigentum beider Ehegatten

BFH-Urteil vom 6.12.2017, VI R 41/15

In dem am 4.4.2018 veröffentlichen Urteil hat sich der BFH mit der Frage des Werbungskostenabzugs bei beruflicher Nutzung einer im Miteigentum von Ehegatten stehenden Wohnung befasst. 

Leitsatz

Nutzt ein Miteigentümer allein eine Wohnung zu beruflichen Zwecken, kann er AfA und Schuldzinsen nur entsprechend seinem Miteigentumsanteil als Werbungskosten geltend machen, wenn die Darlehen zum Erwerb der Wohnung gemeinsam aufgenommen wurden und Zins und Tilgung von einem gemeinsamen Konto beglichen werden.

Vertiefung Urteil zum Werbungskostenabzug

Sachverhalt

Ein zusammen veranlagtes Ehepaar kaufte gemeinsam eine Wohnung, welches jeweils im hälftigen Miteigentum steht. Beide waren in den Streitjahren 2007 und 2008 nichtselbständig tätig. Die Wohnung wurde aber lediglich von der Ehefrau ausschließlich beruflich genutzt. In ihrer Einkommensteuererklärung wollten sie die gesamten Kosten wie AfA und Schuldzinsen für die Arbeitswohnung als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit geltend machen. 

Auszug Entscheidungsgründe

Hierzu hat der BFH in den Entscheidungsgründen Ausführungen zu den Werbungskosten gemacht: „Werbungskosten sind die mit der Erhaltung, Sicherung und dem Erwerb von Einnahmen verbundenen Aufwendungen (§ 9 Abs. 1 Satz 1 EStG). Werbungskosten im Bereich der nichtselbständigen Arbeit müssen durch den Beruf veranlasst sein, d.h. es muss ein objektiver Zusammenhang zwischen den Aufwendungen und dem Beruf bestehen und sie müssen subjektiv zur Förderung des Berufs bestimmt sein (siehe auch z. B. die Senatsurteile vom 28. November 1980 VI R 193/77, BFHE 132, 431, BStBl II 1981, 368; vom 1. Juli 1994 VI R 67/93, BFHE 175, 85, BStBl II 1995, 273; Beschluss des Großen Senats des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 23. August 1999 GrS 2/97, BFHE 189, 160, BStBl II 1999, 782). 
Werbungskosten sind gemäß § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 EStG auch beruflich veranlasste Schuldzinsen und AfA gemäß § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 7 EStG.“

Fazit

Mithin steht fest, dass AfA und Schuldzinsen als Werbungskosten bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit geltend gemacht werden können, jedoch nur insoweit sie auch tatsächlich im objektiven Zusammenhang mit dem Beruf stehen und subjektiv zur Förderung des Berufes bestimmt sind. 

Da aber die Klägerin nur die hälftigen Aufwendungen (dies wird so unterstellt, da sie hälftige Miteigentümerin ist) für die Eigentumswohnung im Rahmen ihrer eigenen beruflichen Zwecke verausgabt hat, kommt auch nur insoweit ein Abzug von Werbungskosten in Betracht. Etwas anderes würde gelten, wenn sie sich an den Anschaffungskosten für das Miteigentum des Ehegatten beteiligt hätte. Wenn hierüber der Nachweis gelungen wäre, hätte der abziehbare Werbungskostenanteil höher ausfallen können. Denn tatsächlich richtet sich die Abzugsfähigkeit nicht danach, ob die Aufwendungen auf ein Wirtschaftsgut getätigt werden, das im Eigentum des Steuerpflichtigen steht. 

link.pngZum BFH-Urteil vom 6.12.2017, VI R 41/15

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