Thesaurierende Investmentfonds - steuerliche Behandlung von Vorabpauschalen

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Thesaurierende Investmentfonds - steuerliche Behandlung von Vorabpauschalen

Die steuerliche Behandlung von Erträgen aus Investmentfonds ist im Investmentsteuergesetz geregelt. Durch die Reform des Investmentsteuergesetzes vom 19.07.2016 erfolgten einige grundlegende Neuregelungen bei der Besteuerung von Anteilserträgen aus Investmentfonds. Die Änderungen gelten bereits ab dem 01.01.2018, wobei jedoch einzelne Neuerungen erst im Jahr 2019 tatsächlich ihre Wirkung entfalten. Hierbei ist die Einführung einer sogenannten Vorabpauschale für die Besteuerung von Erträgen aus Publikumsinvestmentfonds zu erwähnen.

Steuerpflicht für Investmenterträge ab 2018 

Zu den steuerpflichtigen Kapitalerträgen gehören auf Seiten der Anleger gem. § 20 Abs. 1 Nr. 3 EStG nunmehr auch Investmenterträge laut § 16 InvStG. Hierzu zählen sowohl die Ausschüttungen aus Investmentfonds, als auch Gewinne aus der Veräußerung und Vorabpauschalen (§ 18 InvStG). Die erwähnte Vorabpauschale ist als jährlicher Ertrag aus dem Investmentanteil anzusehen. 

Laut § 18 Abs. 3 InvStG gilt die Vorabpauschale erst mit dem ersten Werktag des Folgekalenderjahres als zugeflossen. Dies bedeutet, dass die ab Neuregelung zum 01.01.2018 zu berechnenden Vorabpauschalen erstmalig in 2019 als zugeflossen gelten und zu berechnen sind. 
Sinn und Zweck der Vorabpauschale ist, dass eine ungerechtfertigte Begünstigung von thesaurierenden Investmentfonds eingeschränkt werden soll. Grundsätzlich wurden bisher seitens der Investmentfondsanleger nämlich nur die Ausschüttungen versteuert, da sonstige außerordentliche und teilweise auch laufende Erträge wie Zinsen und Dividenden thesauriert werden. So ergeben sich bei anderen Geldanlagen (Sparkonten etc.) mangels Thesaurierung höhere zu versteuernde Erträge als bei den Investmentfonds. Die Vorabpauschale ist somit als rechnerischer Ausgleichsbetrag zu anderen risikofreieren Geldanlagen mit stetiger Versteuerung von Zinsen etc. zu sehen. 

Gluehbirne_braun.pngÜbrigens: Die Vorabpauschale wird unabhängig davon berücksichtigt, ob es sich um inländische oder ausländische Investmentfonds handelt.

Kein Ansatz der Vorabpauschale in Ausnahmefällen

Laut § 16 Abs. 2 InvStG sind Vorabpauschalen nicht als fiktiver Ertrag zu versteuern, wenn es sich um bestimmte, in Abs. 2 bezeichnete Investmentanteile handelt (z. B. Anteile an betrieblichen Altersvorsorgeverträgen).
Auch im Jahr der Anteilsveräußerung ist keine Vorabpauschale zu berechnen.
Eine Teilfreistellung der Vorabpauschalen ist bei Erfüllung der Voraussetzungen des § 20 InvStG möglich; dies ist im Einzelfall zu prüfen.

Berechnung der Vorabpauschale

Die Berechnung der Vorabpauschale erfolgt in mehreren Schritten. Regelungen hierzu finden sich im §18 InvStG. Die Höhe der Vorabpauschale bemisst sich dabei aus der Differenz, um den die Ausschüttung des Investmentfonds des Kalenderjahres den Basisertrag desselben Kalenderjahres unterschreitet. Zur Ermittlung des Basisertrages wird der Basiszins zu Grunde gelegt, der jährlich durch das Bundesministerium für Finanzen veröffentlicht wird (für 2019 beträgt der Basiszins 2018 laut BMF v. 02.01.2018 0,87 %; Basiszins 2019 laut BMF v. 09.02.2019 0,52 %)

link.pngBMF-Schreiben vom 09.02.2019

Der Basisbetrag ergibt sich aus 70 % des Basiszinses multipliziert mit dem Rücknahmepreis des Fonds zu Beginn des Kalenderjahres. Die unberücksichtigten 30 % sollen einen pauschalen Kostenabschlag für Fondverwaltung etc. abdecken. 
Zu beachten ist, dass der Basisertrag betragsmäßig begrenzt ist. Maximal ist der Betrag anzusetzen, der sich zwischen dem ersten und letzten im Kalenderjahr vorgegebenen Rücknahmepreis zuzüglich eventueller Ausschüttungen ergibt. 
Ist der Höchstbetrag geringer als der Basisertrag, so ist der Höchstbetrag anzusetzen. In den anderen Fällen erfolgt der Ansatz des Basisertrages (zzgl. der Ausschüttungen).
Soweit kein Rücknahmepreis bekannt oder vorgegeben ist, ist hilfsweise der Börsenpreis anzusetzen
In Erwerbsjahren ist die ermittelte Vorabpauschale eventuell zu zwölften.
Für die Berechnung der Vorabpauschale sollte zur besseren Übersicht in Einzelschritten zuerst der Basisertrag ermittelt werden. Daraufhin erfolgt die Ermittlung des Maximalbetrags und Vergleich mit dem Basisertrag. Anhand des geringeren Betrages kann zuletzt die Vorabpauschale errechnet werden.

Beispiel für die Ermittlung einer Vorabpauschale 

A hält im gesamten Jahr 2018 thesaurierende Investmentfonds. Der Rücknahmepreis zum 01.01.2018 beträgt je Anteil 190 €, zum 31.12.2018 200 €. Die Ausschüttung ist mit 0,50 € pro Investmentanteil festgelegt. Für 2018 betrug der Basiszins laut Bundesfinanzministeriums 0,87 %. 
Berechnung der Vorabpauschale:

  1. Berechnung des Basisertrags: 190 € (Rücknahmepreis zu Beginn 2018) *0,87 % * 70 % = 1,16 €
  2. Berechnung des begrenzten Basisbetrags/Höchstbetrag: 200 € (Rücknahmepreis Ende 2018) - 190 € + Ausschüttung 0,50 € = 10,50 € Höchstbetrag: D.h. Höchstbetrag 10,50 € > berechneter Basisertrag 1,16 €; Somit ist keine Deckelung auf den Höchstbetrag notwendig und der geringere, errechnete Basisertrag wird angesetzt
  3. Ermittlung der Vorabpauschale: 1,16 € – 0,50 € Ausschüttung= 0,66 € Vorabpauschale je Investmentanteil 

Der Zufluss der Vorabpauschale von 0,66 € je Anteil erfolgt fiktiv zum ersten Werktag 2019. Die Ausschüttung, die in 2018 bereits zugeflossen ist, ist dementsprechend auch dem Jahr 2018 zuzuordnen.

Vorabpauschalen und Kapitalertragssteuerabzug

Die inländischen Investmenterträge – die Vorabpauschalen somit eingeschlossen- unterliegen dem Steuerabzug (vgl. § 20 Abs. 1 und § 43 Abs. 1 EStG). Die Kapitalertragsteuer auf die Vorabpauschale entsteht mit dem fiktiven Zufluss zum ersten Werktag des Folgejahres. Die Kapitalertragsteuer wird damit grundsätzlich entsprechend von den inländischen Zahlstellen für ihre Anteilseigner einbehalten. 
Bei ausländischen Investmentfonds hingegen besteht im Zweifel keine Verpflichtung zum Steuereinbehalt.
Insbesondere ab dem Jahr 2019 ist daher bei der Erstellung der Steuererklärungen darauf zu achten, dass die Erträge aus diesen Anlagen einschließlich der o. g. Vorabpauschalen in zutreffender Höhe angegeben werden. 
Berücksichtigung der Vorabpauschalen bei Veräußerung der Anteile
Werden die Investmentfondanteile veräußert, stellt sich die Frage, inwieweit die bisher jährlich versteuerten Vorabpauschalen bei der Berechnung des Veräußerungsgewinns zu berücksichtigen sind. Da der Gewinn bei Veräußerung von Investmentfonds des Privatvermögens der Versteuerung nach § 20 Abs. 4 EStG unterliegt, soll hier eine mehrfache Besteuerung durch Vorabpauschalen und Gewinnversteuerung vermieden werden. Demnach ist der Veräußerungsgewinn um die Vorabpauschalen, die während der Besitzzeit angesetzt und versteuert wurden entsprechend zu mindern. 

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