So wirken sich die Änderungen der Umsatzsteuersätze für Sie aus

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So wirken sich die Änderungen der Umsatzsteuersätze für Sie aus

Bekanntlich hat die Bundesregierung als eine Maßnahme zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise die Umsatzsteuersätze von 7 % auf 5 % und 19 % auf 16 % gesenkt. Diese Maßnahme hat am 1.7.2020 begonnen und endet ohne weitere Information automatisch mit Ablauf des 31.12.2020. Ob sich diese Maßnahme aber für Ihre Praxis auswirkt, hängt vor allem davon ab, ob dieser Umsatzsteuervorteil an Sie weitergegeben wird. Oder anders, ob Sie diesen an Ihre Patienten weitergeben oder selbst davon profitieren wollen.

Sie erbringen keine umsatzsteuerpflichtigen Leistungen

Wenn Sie in Ihrer Praxis ausschließlich Heilbehandlungen erbringen, die nach § 4 Nr. 14a UStG von der Umsatzsteuer befreit sind, können Sie nur dann von der Umsatzsteuersenkung profitieren, wenn Ihre umsatzsteuerpflichtigen Aufwendungen von Ihren Lieferanten oder Dienstleistern angepasst wurden.

Beispiel:
Sie haben vor dem 1.7.2020 für Ihre Praxis Zahnarztbedarfsartikel für 1.190 EUR eingekauft. In diesem Betrag sind 19 % Umsatzsteuer = 190 EUR enthalten. Nach dem 1.7.2020 kaufen Sie erneut Zahnarztbedarfsartikel für 1.000 EUR netto ein.

Variante 1: Gibt Ihr Lieferant den 3 %-igen Umsatzsteuervorteil an Sie weiter, wird bei der Rechnungserstellung die 16 % Umsatzsteuer den Nettobetrag hinzurechnen. Ihr Gesamtaufwand würde demnach nur 1.160 EUR (1.000 EUR zzgl. 160 EUR Umsatzsteuer) betragen. Sie hätten also 30 EUR gespart.

Variante 2: Gibt Ihr Lieferant den 3 %-igen Umsatzsteuervorteil nicht an Sie weiter, wird er in der Rechnung die 16 % Umsatzsteuer aus dem Bruttobetrag herausrechnen. Ihr Gesamtaufwand würde demnach weiterhin 1.190 EUR betragen (1.025,86 EUR zzgl. 164,14 EUR Umsatzsteuer). Ihr Aufwand mindert sich also nicht.

praxis-tipp.pngPraxis-Tipp: Vereinbaren Sie Nettopreise
Wenn Sie auch von der Umsatzsteuerminderung profitieren wollen, dann vereinbaren Sie immer Nettopreise, da die Umsatzsteuer von diesem Preis berechnet wird.

Worauf Sie bei der Berechnung der Umsatzsteuer achten müssen

Diese wichtige Information sollten Sie kennen, wenn Sie in der kurzen Phase der Umsatzsteuerminderung den richtigen Umsatzsteuersatz (7 % oder 5 %; 19 % oder 16 %) anwenden wollen. Bei der Umsatzsteuer kommt es immer auf den Zeitpunkt der Erbringung der Leistung oder Dienstleistung an. Der Zeitpunkt der Rechnungserstellung ist für die Beantwortung der Frage nach dem richtigen Umsatzsteuersatz unerheblich. Die nachfolgenden Beispiele werden dies für Sie verdeutlichen.

Beispiel: Leistungsende vor dem 1.7.2020
Sie haben am 12.6.2020 bei einem Patienten eine kosmetische Zahnbehandlung beendet. Die Rechnung hierzu haben Sie erst am 17.8.2020 erstellt und an diesen übersandt. Da sie die Leistung bereits an 12.6.2020 erbracht haben, kommt der 19 %-ige Umsatzsteuersatz zur Anwendung.

Beispiel: Leistungsende nach dem 1.7.2020 und vor dem 1.1.2021
Sie haben am 20.6.2020 bei einem Patienten eine kosmetische Zahnbehandlung begonnen und am 13.7.2020 beendet. Die dazugehörige Rechnung wurde am 16.7.2020 erstellt. Maßgeblich für die Anwendung des Umsatzsteuersatzes ist der Tag, an dem Sie die Leistung (hier die kosmetische Zahnbehandlung) bei Ihrem Patienten abgeschlossen haben. Da der Abschluss nach dem 1.7.2020 erfolgte, ist diese mit 16 % Umsatzsteuer zu berechnen.

Beispiel: Leistungsende vor dem 1.1.2021
Sie haben mit der kosmetischen Zahnbehandlung des Patienten am 1.12.2020 begonnen und diese am 20.12.2020 beendet. Die Rechnung haben Sie erst im Januar 2021 erstellt. Da die Leistung von Ihnen nach dem 1.7.2020 und vor dem 1.1.2021 erbracht wurde, ist der 16 %-ige Umsatzsteuersatz anzuwenden. Der Tag der Rechnungserstellung ist unwichtig.

Beispiel: Leistungsende nach dem 31.12.2020
Sie haben mit der kosmetischen Zahnbehandlung des Patienten am 10.12.2020 begonnen und diese am 20.1.2021 beendet. Die Rechnung haben Sie bereits im Dezember 2020 erstellt und übersandt. Da die Leistung von Ihnen erst nach dem 31.12.2020 erbracht wurde, ist wieder der 19 %-ige Umsatzsteuersatz anzuwenden. Auch hier ist der Tag der Rechnungserstellung unerheblich.

Kein Unterschied zwischen Umsatzsteuer und Vorsteuer

Die obigen Ausführungen gelten sinngemäß auch für Ihre Eingangsrechnungen. Auch hier kommt es auf den Zeitpunkt der Erbringung der Lieferung oder Dienstleistung an. Der Tag der Rechnungserstellung ist für die Wahl des Umsatzsteuersatzes unerheblich. Sie müssen aber, wenn Sie den Vorsteuerabzug beanspruchen wollen, im Besitz der Rechnung sein. Insoweit hat sich nichts geändert.

Beispiel: Rechnung nach dem 31.12.2020
Sie haben am 20.12.2020 Zahnarztbedarfsartikel geliefert bekommen. Die dazugehörige Rechnung wurde Ihnen erst am 20.1.2021 übersandt. Zunächst ist festzustellen, dass die Lieferung vor dem 1.1.2021 erfolgte. Insoweit muss Ihr Lieferant Ihnen die geminderten Umsatzsteuersätze (5 % oder 16 %) in Rechnung stellen. Die Vorsteuer aus der Rechnung dürfen Sie aber erst im Januar 2021 bei Ihrem Finanzamt geltend machen, da Sie erst im Januar in den Besitz der Rechnung gelangt sind.

So gehen Sie mit Anzahlungen um

Vereinnahmen Sie Anzahlungen für umsatzsteuerpflichtige Zahnarztleistungen, bestimmt die Anzahlung nicht den gültigen Umsatzsteuersatz. Auch hier kommt es für die Anwendung des Umsatzsteuersatzes darauf an, wann Sie die Leistung an Ihren Patienten beendet haben. Auch hier kommt es nicht darauf an, wann die Schlussrechnung von Ihnen erstellt wird. Für die Beendigung der Leistung gelten die obigen Beispiele.

Falscher Umsatzsteuersatz – so handeln Sie richtig!

Erfahrungsgemäß kommt es bei so kurzfristigen Änderungen von Umsatzsteuersätzen auch dazu, dass man schnell mal den falschen Steuersatz benutzt. In der folgenden Tabelle erfahren Sie, wie Sie auf diese Fehler reagieren.

Falscher Umsatzsteuerausweis Ihre Maßnahme
Sie haben eine Lieferung oder Leistung nach dem 30.06.2020 und vor dem 1.1.2021 erhalten. In der Rechnung ist aber der 19 %-ige bzw. 7 %-ige Umsatzsteuersatz angewandt worden.
  1. Sie bemängeln die Rechnung bei Ihrem Lieferanten bzw. Dienstleister und bitten diesen um sofortige Berichtigung.
  2. Sie buchen die Rechnung mit dem 16 %-igen bzw. 5 %-igen Umsatzsteuersatz, da sie nur in dieser Höhe einen Vorsteuererstattungsanspruch haben.
Sie haben eine Leistung erst nach dem 31.12.2020 an einen Patienten erbracht, diesem aber eine Rechnung mit dem 5 %-igen bzw. 16 %-igen Umsatzsteuersatz ausgestellt.
  1. Sie berichtigen die Rechnung an den Patienten.
  2. Sie buchen die Rechnung mit dem 7 %-igen bzw. 19 %-igen Umsatzsteuersatz.
Sie haben eine Lieferung oder Leistung nach dem 31.12.2020 erhalten. In der Rechnung ist aber der 16 %-ige bzw. 5 %-ige Umsatzsteuersatz angewandt worden.
  1. Sie bemängeln die Rechnung bei Ihrem Lieferanten bzw. Dienstleister und bitten diesen um sofortige Berichtigung.
  2. Sie buchen die Rechnung mit dem 16 %-igen bzw. 5 %-tigen Umsatzsteuersatz, da sie nur in dieser Höhe einen Vorsteuererstattungsanspruch haben.
  3. Nach Eingang der berichtigten Rechnung ändern Sie die Buchung mit dem falschen Umsatzsteuersatz.

 

praxis-tipp.pngWichtiger Hinweis: Berichtigen Sie keine fremde Rechnung
Berichtigen Sie niemals eine fehlerhafte Rechnung eines anderen Unternehmers selbstständig. Zum einen wird das Finanzamt diese geänderte Rechnung nicht anerkennen, zum anderen begehen Sie eine Urkundenfälschung.

An diese Dinge sollten Sie denken

Hier eine kleine Checkliste, für Dinge an die Sie im Rahmen der Umsatzsteuersenkung denken sollten:

Checkliste: Umsatzsteuerminderung

  • Prüfen Sie, ob Ihre Praxissoftware die aktuell richtigen Umsatzsteuersätze enthält.
  • Prüfen Sie, ob Ihre Dienstleister oder Lieferanten Ihnen den richtigen Umsatzsteuersatz berechnet haben.
  • Überprüfen Sie auch Ihre Dauerschuldverhältnisse wie beispielsweise Mietverträge, Leasingraten ob der gültige Umsatzsteuersatz zur Anwendung kommt.
  • Enthält eine Rechnung einen zu hohen Umsatzsteuersatz, buchen Sie nur den aktuell gültigen Steuersatz bei Ihren Eingangsrechnungen.
  • Prüfen Sie Ihre eigenen Rechnungen danach, ob Sie den richtigen Steuersatz angewandt haben. Falls nein, berichtigen Sie die Rechnung.
  • Möchten Sie Ihre Patienten von der Umsatzsteuersenkung profitieren lassen, planen Sie umsatzsteuerpflichtige Behandlungen so, dass diese vor dem 1.1.2021 abgeschlossen sind. Behandlungen die nach dem 31.12.2020 abgeschlossen werden, müssen wieder mit dem 7 %-igen oder 19 %-igen Umsatzsteuersatz besteuert werden.
  • Setzen Sie sich einen Merker in Ihrer Software, der Sie daran erinnert, dass Sie den Umsatzsteuersatz nach dem 31.12.2020 wieder umstellen müssen.

Hier noch ein paar Details zu der Umsatzsteuer

So ändern sich die Umsatzsteuersätze für Ihre Zahnarztpraxis im Detail:

Leistung bisher ab dem 1.7. bis 31.12.2020
Zahnärztliche Heilbehandlung gemäß § 4 Nr. 14a UStG steuerfrei steuerfrei
Lieferung von Zahnprothesen und kieferorthopädischen Apparaten, die durch Sie in Ihrem Eigenlabor erstellt werden, wenn nicht die Heilbehandlung der Behandlung das Gepräge gibt 7 % 5 %
Lieferung von Zahnprothesen und kieferorthopädischen Apparaten, die durch Sie in Ihrem Eigenlabor erstellt werden, und für die Heilbehandlung unentbehrlich sind (einheitliche medizinische Dienstleistung) steuerfrei steuerfrei
Herstellung von Zahnprothetik durch ein Fremdlabor 7 % 5 %
Kosmetische Zahnarztleistungen 19 % 16 %
Verkauf von Artikeln zu Prophylaxe 19 % 16 %