Die wichtigsten steuerlichen Änderungen im Jahr 2019

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Die wichtigsten steuerlichen Änderungen im Jahr 2019

Im vergangenen Jahr wurde bereits über die geplanten Änderungen berichtet, die das Jahressteuergesetz 2018 mit sich bringen wird. Der Jahreswechsel ist noch einmal ein guter Anlass, das Jahressteuergesetz und die Änderungen zusammenzufassen, auf die im Jahr 2019 konkret zu achten sein werden.

Verlängerte Abgabefristen für die Steuererklärungen 2018 

Bereits im Jahr 2017 wurde das Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens (StModernG) verabschiedet. Für alle Besteuerungszeiträume ab dem Jahr 2018 wurde die Abgabefrist für Steuererklärungen allgemein um 2 Monate auf den 31.07. verlängert. Sofern ein Steuerberater die Erklärung erstellt, gilt sogar einheitlich eine Frist bis zum 28.02. des zweiten auf den Besteuerungszeitraum folgenden Kalenderjahres. 
Unabhängig davon kann das Finanzamt aus bestimmten Gründen die Steuererklärungen im Einzelfall vorweganfordern.

Gründe hierfür könnten sein:

  • eine verspätete Abgabe in den Vorjahren
  • ein Herabsetzungsantrag von Vorauszahlungen wurde außerhalb der Veranlagung gestellt
  • die Veranlagung der Vorjahre hat zu einer hohen Abschlusszahlung geführt
  • eine Außenprüfung ist vorgesehen

Abweichende Regelungen zur gesetzlichen Abgabefrist können die einzelnen Bundesländer durch sog. Kontingentierungsverfahren mit Mitgliedern der steuerberatenden Berufe vereinbaren.

Förderung der Elektromobilität durch Halbierung der 1%-Regelung

Bereits im Koalitionsvertrag war beschlossen worden, den Einsatz von Elektromobilität und von Hybridfahrzeugen stärker zu fördern. Das Jahressteuergesetz sieht nun vor, die Bemessungsgrundlage für die Berechnung des pauschalen Nutzungsanteils nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 EStG von 1% auf 0,5% des Bruttolistenpreises zu halbieren. Die Begünstigung soll für alle Fahrzeuge mit Elektromotorenantrieb, die ganz oder überwiegend aus mechanischen oder elektrochemischen Energiespeichern oder aus emissionsfrei betriebenen Energiewandlern gespeist werden oder für extern aufladbare Hybridelektrofahrzeuge gelten, die nach dem 31.12.2018 und vor dem 01.01.2022 angeschafft werden. Für ältere Fahrzeuge ist eine Minderung der Bemessungsgrundlage vorgesehen, die abhängig von der Batterieleistung des Fahrzeugs ist. Dies entspricht der aktuell geltenden Rechtslage.

Besondere Pflichten für Betreiber von elektronischen Marktplätzen

Nach dem Wortlaut der neu eingefügten Vorschrift § 22f UStG hat der Betreiber eines elektronischen Marktplatzes für Lieferungen eines Unternehmers, die auf seinem Marktplatz rechtlich begründet werden und bei denen die Beförderung oder die Versendung im Inland beginnt, besondere Aufzeichnungen zu führen.
Insbesondere hat er festzuhalten:

  1. den vollständigen Namen und die vollständige Anschrift des liefernden Unternehmers
  2. die Steuernummer und soweit vorhanden auch die USt-ID-Nummer des liefernden Unternehmers
  3. Beginn- und Enddatum einer besonderen, durch das Finanzamt zu erstellenden Bescheinigung, durch die der Nachweis geführt wird, dass der leistende Unternehmer steuerlich bei den Finanzbehörden registriert ist 
  4. Ort des Beginns der Beförderung oder Versendung und den Bestimmungsort der Lieferung
  5. den Zeitpunkt und die Höhe des Umsatzes

Die Regelung soll für Unternehmer aus dem Drittland zum 01.03.2019 und für inländische Unternehmer und Lieferanten mit Sitz in den übrigen EU-Staaten zum 01.10.2019 in Kraft treten. In diesen relativ langen Übergangsfristen können sich die Betreiber der Online-Marktplätze auf die veränderten Anforderungen einstellen und entsprechende Bescheinigungen bei ihren Kunden anfordern.

Jobticket und Fahrradgestellung durch den Arbeitgeber

Erstattet der Arbeitgeber zusätzlich zum Arbeitslohn Aufwendungen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie Fahrten zu einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet oder zu einem vom Arbeitgeber dauerhaft festgelegten Sammelpunkt, so sind diese Zuschüsse steuerfrei nach § 3 Nr. 15 EStG. Die Steuerbefreiung gilt auch für private Fahrten, wenn das Jobticket nämlich in der Freizeit genutzt wird. Die Entfernungspauschale, die der Arbeitnehmer in seiner Steuererklärung geltend macht, ist jedoch um den Zuschuss des Arbeitgebers zu kürzen. Wer anstelle von Bus oder Bahn mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt, den kann der Arbeitgeber ebenfalls unterstützen. Zusätzliche zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn vom Arbeitgeber gewährte Vorteile aus der Überlassung eines betrieblichen Fahrrads, das kein Kraftfahrzeug ist, bleiben danach demnächst gem. § 3 Nr. 37 EStG steuerfrei. Bei der Steuererklärung erfolgt keine Kürzung der Entfernungspauschale.
Sofern Elektrofahrräder bezuschusst werden, die verkehrsrechtlich als Kraftfahrzeug einzuordnen sind (Geschwindigkeit > 25 km/h), ist für die Bewertung des geldwerten Vorteils jedoch die Regelung der Dienstwagenbesteuerung anzuwenden. Sie gilt jedoch nicht für die in der Praxis verbreiteten Modelle des durch Gehaltsumwandlung finanzierten E-Bike-Leasings. So soll das umweltfreundliche Engagement der Nutzer von Fahrrädern und deren Arbeitgeber honoriert werden. Die Steuerbegünstigung ist zunächst bis zum Jahr 2021 befristet und gilt nicht für Fälle der Gehaltsumwandlung. 

Familienentlastungsgesetz

Bundestag und Bundesrat haben im vergangenen Jahr das Familienentlastungsgesetz verabschiedet. Sowohl Kinderfreibetrag als auch der Grundfreibetrag werden schrittweise erhöht. Ab Juli 2019 wird das Kindergeld um zehn Euro pro Kind und Monat angehoben. Für das erste und zweite Kind beträgt es dann 204 Euro, für das dritte 210 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind 235 Euro monatlich. Der steuerliche Kinderfreibetrag wird bereits ab Januar angepasst: Er steigt ab 1. Januar 2019 um 192 Euro auf 7.620 Euro sowie ab 1. Januar 2020 nochmals um 192 Euro auf 7.812 Euro. Der Grundfreibetrag steigt ab diesem Jahr auf 9.168 Euro, im kommenden Jahr auf 9.408 Euro. Auch der viel diskutierte Effekt der sog. kalten Progression soll abgemildert werden. Einkommenssteigerungen wurden bislang in einigen Fällen durch Inflation und den progressiven Steuersatz aufgezehrt. Um diese schleichende Steuererhöhung künftig zu verhindern, werden die Eckwerte beim Steuertarif ab Januar 2019 entsprechend um die Eckwerte der Inflation des Vorjahres verschoben. Für 2019 setzt das Gesetz eine Inflationsrate von 1,84 Prozent, für 2020 eine Inflationsrate von 1,95 Prozent an. 
 

Weitere Informationen zum Jahressteuergesetz 2018 finden Sie auch im Seminar unseres Dozenten Jens Wingenfeld:

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