Die Umsatzsteuer im Vereinsbereich – ein Einblick in die Besonderheiten der Umsatzbesteuerung von Mitgliedsbeiträgen und anderen Einnahmen

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Die Umsatzsteuer im Vereinsbereich – ein Einblick in die Besonderheiten der Umsatzbesteuerung von Mitgliedsbeiträgen und anderen Einnahmen

Das Vereinswesen stellt im Hobbybereich vieler einen wichtigen Ausgleich zum Arbeits- und Unternehmeralltag dar. Oft fließen für die Erhaltung und Entwicklung des Vereinslebens neben Spenden auch Mitgliedbeiträge zur Eigenfinanzierung – doch Mitgliedbeitrag ist nicht gleich Mitgliedbeitrag, zumindest nicht im Hinblick auf die Umsatzsteuer. Der Verein wird im umsatzsteuerlichen Sinne als Unternehmen gesehen. Sowohl der nicht rechtsfähige Verein als auch der im Vereinsregister eingetragene Verein ist als wirtschaftlich selbständig tätige Personenvereinigung ein Unternehmer (§2 UStG). Grundsätzlich gilt nach dem Umsatzsteueranwendungserlass zum §2 UStG auch explizit, dass Personenzusammenschlüsse auch unternehmerisch bereits dann tätig werden und die Leistung grundsätzlich steuerbar sind, wenn sie lediglich ihren Mitgliedern beispielsweise entgeltliche Vereinsräume überlassen. Da Vereine jedoch oftmals auch dem Gemeinwohl oder der Kulturförderung dienen, entfällt für bestimmte Leistungsbereiche der Vereine die Steuerbarkeit.

Grundsätze zum Mitgliedbeitrag

Unter anderem ausschlaggebend für die steuerliche Behandlung der Vereinnahmung von Mitgliedbeiträgen durch die Vereine ist die Frage nach einem Leistungsaustausch. Erhebt der Verein Mitgliedbeiträge, die laut Vereinssatzung auch für entsprechende Erfüllung von Vereinszwecken verwendet werden soll, so ist nach Ansicht des Gesetzgebers kein Leistungsaustausch zwischen den Mitgliedern und dem Verein gegeben. Die Einnahme der Mitgliedsbeiträge ist dann mangels dessen auch nicht aus unternehmerischer Tätigkeit anzusehen und eine Versteuerung erfolgt nicht.

Echter Mitgliedsbeitrag – keine Steuerbarkeit

Doch zu beachten ist, dass eventuell eine Differenzierung des Mitgliedbeitrages in echte und den unechte Beitragszahlungen zu erfolgen hat - nur der echte Mitgliedsbeitrag ist nicht steuerbar. Hierunter fallen unter anderem die Beiträge, die Mitglieder laut Satzung für den Gemeinschaftszweck des Vereines zahlen und für die keine individuelle Gegenleistung des Vereins erfolgt. Der Mitgliedbeitrag darf sich nicht individuell zusammensetzten, sondern muss entweder für alle Mitglieder in gleicher Höhe gelten oder beispielsweise nach sozialen Aspekten (Schülervergünstigung, Altersstaffelungen oder nach Bruttoarbeitslohn) berechnet werden.

Unechter Mitgliedsbeitrag - Steuerpflicht

Anders verhält es sich bei der Vereinnahmung von Zuzahlungen der Mitglieder, wenn diese für die zusätzliche Zahlung auch zusätzliche Leistungen wie beispielsweise die Bereitstellung von Vereinsräumen erhalten. Hier besteht kein allgemeiner Gemeinschaftszweck sondern eine Zahlung für eine individuell bemessene Gegenleistung, so dass auch ein Leistungsaustausch zwischen Mitglied und Verein entsteht. Auch die Berechnung und Staffelung von Mitgliedsbeiträgen nach Leistungsaspekten stellen nach Ansicht des Verwaltung und des Gesetzgebers bereits eine zu individuelle Berechnung und damit einen Leistungsaustausch dar (z.B. der Mitgliedsbeitrag erhöht sich je nach Nutzung der allgemeinen Vereinsangebote).

Neben der getrennten Behandlung von unechten und echten Mitgliedbeiträgen ist es zudem möglich, dass eine Aufteilung einer Leistung in einen echten und einen unechten Mitgliedbeitrag erfolgt. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Verein den Mietgliedern - die jährliche Mitgliedbeiträge von 50 Euro zahlen - pro Halbjahr eine Zeitschrift unentgeltlich zur Verfügung stellt. Gleichzeitig ist es auch Nichtmitgliedern möglich, die Zeitschriften für 10 Euro in örtlichen Buchhandlungen zu erwerben. Aufgrund der Tatsache, dass die Zeitschrift auch im Handel gegen Entgelt erhältlich ist, stellt die Bereitstellung der Zeitschrift für Mitglieder anteilig auf den gesamten Mitgliedbeitrag berechnet einen unechten Beitrag dar. Bedeutet hier, dass von den 50 Euro Jahresbeitrag ein Betrag in Höhe des örtlichen Abgabepreises von 20 Euro (2 Zeitschriften im Jahr) einen unechten Mitgliedbeitrag darstellt und lediglich die 30 Euro als echter Mitgliedbeitrag ohne direkte Gegenleistung/Leistungsaustausch nicht steuerbar sind.

Vereinnahmt ein Verein unechte Mitgliedsbeiträge sind diese Gelder nicht zwingend in voller Höhe zum 19%igen Steuersatz auch der Umsatzsteuer zu unterwerfen. Zwischen den Leistungen der Vereine ist für die Entscheidung der Umsatzbesteuerung eine genauere Abgrenzung erforderlich, in welchen Bereichen der Verein tätig wird und welchem Bereich die erbrachte Leistung zuzuordnen ist, entscheidet letztlich über die Steuerpflicht Höhe des Steuersatzes.

Zuordnung Ideeller Bereich, Zweckbetrieb oder wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb

Ein Großteil der Vereine ist in mehreren Sphären tätig – zum einen in dem ideellen, nicht wirtschaftlichen Bereich. Im Rahmen des ideellen Bereichs liegt kein Leistungsaustausch vor – wie bei der Vereinnahmung von echten Mitgliedsbeiträgen, Spenden oder Schenkungen und bei der Erfüllung der satzungsmäßigen Zwecke.

Zum anderen sind Vereine oftmals aber auch in Bereichen der Verwaltung, der Vermietung von Anlagen, oder auch als Ausrichter von Veranstaltungen tätig. Diese Tätigkeitsfelder werden als unternehmerische Tätigkeit gesehen, jedoch zusätzlich unterschieden zwischen dem wirtschaftlich tätigem Geschäftsbetriebes, Zweckbetrieb und Vermögensverwaltung.
Der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb ist in einen Zweckbetrieb und einen aktiven wirtschaftlichen Betrieb zu unterteilen. Der aktive wirtschaftliche Geschäftsbetrieb eines Vereines umfasst die Tätigkeiten, die mit der Erzielung von Einnahmeüberschüssen in direktem Zusammenhang stehen (z.B. die Bewirtschaftung eines Cafe‘s neben dem Sportplatz). Darunter sind solche Tätigkeiten zu verstehen, die auch ein Unternehmer ohne Vereinssatzung im allgemeinen, wirtschaftlichen Verkehr anbieten könnte.

Der Bereich des Zweckbetriebes umfasst alle Tätigkeiten, die zwar Einnahmen erbringen und nicht den direkten Satzungszweck erfüllen, die jedoch nicht im allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr angeboten werden können (z. B. Eintrittsgelder für das Fußballspiel des örtlichen Jugendsportvereins).

Vermögensverwaltend ist der Verein insoweit tätig, als aus der Nutzung des vorhandenen Vereinsvermögens durch Dritte Einnahmen erzielt werden- wie beispielsweise die langfristige Verpachtung von Werbeflächen/Werberechten oder die langfristige dauerhafte Vermietung von Vereinsflächen (z.B. Stallboxen für Pferde), ebenso wie Zinserträge aus Sparguthaben des Vereins.

Der Zweckbetrieb sowie die Vermögensverwaltung sind steuerbegünstigt und die Leistungen des Vereins unterliegen lediglich dem Steuersatz von 7 % nach §12 Abs.2 Nr.8a UStG. Die Leistungen aus dem wirtschaftlich aktiven Geschäftsbereich werden – wie bei jedem anderen Unternehmer auch - mit 19% Umsatzsteuer (soweit keine Steuerermäßigung nach §12 Abs.2 UStG gilt) besteuert.

Ausrufezeichen-braun.pngDie kurzfristige Vermietung von Vereinsanlagen für die Feierlichkeiten von Mitgliedern ist dem Zweckbetrieb – nicht der Vermögensverwaltung- zuzuordnen. Vermietung von einzelnen Flächen bei Sportveranstaltungen z.B. an einen Imbissbetrieb stellt eine wirtschaftlich aktive Tätigkeit wie eines Gewerbetreibenden dar und ist somit auch dem wirtschaftlich aktiven Geschäftsbereich zuzuordnen.

Quelle Foto: PatrikGumpold [CC BY-SA 3.0], vom Wikimedia Commons