Angemessene Verzinsung von Gesellschafter-Verrechnungskonten

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Angemessene Verzinsung von Gesellschafter-Verrechnungskonten

Überlässt eine GmbH ihrem Gesellschafter-Geschäftsführer eine Kreditkarte auch zur privaten Nutzung, hat sie selbstverständlich einen Anspruch auf Rückzahlung der damit getätigten Umsätze. Verzichtet sie auf die Rückzahlung, liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) vor. Aus diesem Grund werden solche Vorgänge in der Regel auf einem sog. Gesellschafter-Verrechnungskonto verbucht und festgehalten. Hierdurch wird dokumentiert, dass eine Rückzahlung durch den Gesellschafter erwartet wird. Dieser Artikel soll einen kurzen Überblick über mögliche Fallstricke einer solchen Konstellation informieren.

Verrechnungskonto hat Darlehenscharakter

Der BFH hat schon vor langer Zeit klargestellt, dass bereits die Verbuchung auf einem Gesellschafter-Verrechnungskonto dagegenspricht, dass dem Gesellschafter von der Gesellschaft ein Vermögensvorteil zugewandt werden sollte (BFH vom 08.10.1985, VIII R 284/83). In der Regel – so die Richter - hat ein solches Verrechnungskonto nämlich Darlehenscharakter. D.h. selbst wenn dann, wenn keine Sicherheitsleistung vereinbart wurde oder schriftliche Rückzahlungsvereinbarungen getroffen wurden, ist dies nach der Rechtsprechung des BFH zunächst erstmal für die Annahme eines Darlehens unschädlich, wenn eine Forderung auf einem Verrechnungskonto festgehalten wird. Durch diese Verbuchung nämlich würde grundsätzlich eine Rückzahlungsabsicht dokumentiert, so dass zum Ausdruck komme, dass die Beträge dem Gesellschafter nicht endgültig zugewendet werden sollten. Dies ist zumindest sicherlich dann der Fall, wenn die Gesellschafter auch von Anfang an ernstlich bestrebt waren, die erhaltenen Mittel in absehbarer Zeit wieder an die Gesellschaft zurückzuzahlen.

Verdeckte Gewinnausschüttung droht

Grundsätzlich dient ein bei der Kapitalgesellschaft geführtes Gesellschafter-Verrechnungskonto dazu, gegenseitige Forderungen und Verbindlichkeiten unkompliziert abzuwickeln bzw. zu verrechnen. In der Hauptsache werden daher dem Verrechnungskonto Ausgaben für private Zwecke des Gesellschafters gutgeschrieben, die auf Ebene eines Personenunternehmens als Privatentnahme zu behandeln wären und die mit gegenseitigen Forderungen der Gesellschaft "verrechnet" werden sollen. Probleme entstehen häufig dann, wenn der Darlehenssaldo immer weiter ansteigt und irgendwann aufgrund der aufgelaufenen Höhe nicht mehr mit einer Begleichung durch den Gesellschafter gerechnet werden kann. Auch hier wird sich, wie im Falle einer "normalen" Darlehensgewährung die Notwendigkeit der Gestellung von Sicherheit stellen. Fällt das Darlehen irgendwann endgültig aus, kommt zu einer verdeckten Gewinnausschüttung, denn der Verlust ist durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst. Dasselbe gilt, wenn feststeht, dass von Vornherein keine Rückzahlungsabsicht bestand, weil z.B. von vornherein ersichtlich war, dass der Gesellschafter die ausgereichten Mittel nicht zurück gewähren kann. Wäre dies der Fall, so läge bereits im Zeitpunkt der Auszahlung der Mittel eine vGA an den Gesellschafter vor. Dies wäre insbesondere auch zu prüfen, wenn das Verrechnungskonto durch fortlaufende "Entnahmen" immer weiter ansteigt und sich nach den Gesamtumständen ergibt, dass tatsächlich eine Gewinnabsaugung durch den Gesellschafter erfolgt. (vgl. z.B. Beschluss des FG Hamburg vom 02.03.2016, 2 V 278/15).

Keine Pflicht zur Teilwertabschreibung

Stellt sich erst zu einem späteren Zeitpunkt heraus, dass mit einer Rückzahlung nicht mehr gerechnet werden kann, ist zu bedenken, dass nicht automatisch eine Vermögensminderung auf Ebene der Gesellschaft eingetreten ist. Denn der Steuerpflichtige kann durchaus auch auf eine Teilwertabschreibung verzichten. Hierzu hat das BMF in seinem Schreiben vom 12.03.2010 im Zusammenhang mit dem Bilanzmodernisierungsgesetz (BilMoG) klargestellt, dass ein entsprechendes Wahlrecht besteht. 

Angemessene Verzinsung erforderlich

Wird für das Darlehen keine angemessene Verzinsung vereinbart, kann das Finanzamt jedoch eine verhinderte Vermögensmehrung annehmen, die durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist. Die Folge ist, dass in Höhe der Differenz zu einer angemessenen Verzinsung eine verdeckte Gewinnausschüttung vorliegt, denn ein fremder Dritter wäre sicher nicht in den Genuss eines Darlehens zu solch günstigen Konditionen gekommen. In Zeiten anhaltender Niedrigzinsen stellt sich in der Praxis häufig die Frage, was man denn überhaupt unter einer angemessenen Verzinsung versteht. Hierbei ist zu bedenken, dass das Gesellschafterverrechnungskonto oft meist eher den Charakter eines Dispositionskredits als den eines langfristigen Darlehens hat. Sicher stellen Banken derzeit für langfristige Finanzierungen Geld zu weniger als 1% zur Verfügung. Aber gerade bei ungesicherten Ansprüchen mit unbestimmter Laufzeit und nicht festgelegten Rückzahlungsmodalitäten wird der Zinssatz, den die Bank verlangt, eher bei 5% und mehr liegen. Bei der Vereinbarung eines angemessenen Zinssatzes ist dieser Aspekt ausreichend zu berücksichtigen. Möglicherweise sollte man sich ein Angebot seiner Hausbank einholen und zu den Akten nehmen.