„Steuerlicher Kleinkram“ – die aktuellen Reglungen für Geringwertige Wirtschaftsgüter und Sammelposten

News

„Steuerlicher Kleinkram“ – die aktuellen Reglungen für Geringwertige Wirtschaftsgüter und Sammelposten

Zum 01.01.2018 wurde die Wertgrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) angehoben. Sie liegt nun bei 800 € netto und wurde damit fast verdoppelt. Die Untergrenze je Wirtschaftsgut für die Bildung eines sog. Sammelpostens gem. § 6 Abs. 2a EStG (auch Pool genannt) wurde um 100 € auf 250 € angehoben. Auch wenn die Reglungen zu den Geringwertigen Wirtschaftsgütern auf den ersten Blick sehr simpel erscheinen und die Beträge, um die es meist geht, auch als „Kleinkram“ angesehen werden könnten, ergeben sich in der Praxis ein paar Besonderheiten, auf die man unbedingt achten sollte. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die aktuelle Rechtslage und mögliche Gestaltungsspielräume zum Jahresende.

Was ist ein geringwertiges Wirtschaftsgut?

Nach der Definition des Gesetzgebers ist ein geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG) ein abnutzbares bewegliches Wirtschaftsgut des Anlagevermögens, das selbständig nutzbar ist und dessen Anschaffungskosten oder Herstellungskosten nicht mehr als 800 € netto betragen. Selbständig nutzbar in diesem Zusammenhang bedeutet, dass das Wirtschaftsgut auch allein und nicht nur in Verbindung mit einem anderen Wirtschaftsgut genutzt werden kann. 

Gluehbirne_braun.pngEin Monitor, der nur in Verbindung mit einem PC genutzt werden kann, ist kein selbständig nutzbares Wirtschaftsgut. Ein Drucker hingegen, der z.B. auch über eine Kopierfunktion verfügt, ist ein selbständig nutzbares Wirtschaftsgut und kann als GWG angesehen werden, wenn die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind.

Neue Wertgrenzen ab dem 01.01.2018 für GWG

Der Gesetzgeber hat die Wertgrenzen für GWG zum 01.01.2018 von 410 € auf 800 € erhöht und damit fast verdoppelt. Maßgeblich sind hierbei nach § 6 Abs. 2 S.1 EStG die Anschaffungskosten bzw. Herstellungskosten abzüglich der darin enthaltenen Vorsteuerbeträge. Die Vorsteuer ist aus den Anschaffungskosten immer herauszurechnen, ganz egal, ob der Unternehmer zum Vorsteuerabzug berechtigt ist oder nicht. Das bedeutet, dass die Wertgrenze in Höhe von 800 € netto auch bei Kleinunternehmern gilt und bei Unternehmern, die z.B. nur steuerfreie Umsätze ausführen.

Bildung eines Sammelpostens

Für abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten 250 €, aber nicht 1.000 € übersteigen, kann ein sog. Sammelposten gebildet werden. Dieser ist dann über einen Zeitraum von 5 Jahren linear abzuschreiben. Scheidet ein Wirtschaftsgut, das zum Sammelposten gehört, in dieser Zeit aus dem Betriebsvermögen aus, hat das allerdings keine Auswirkung auf die Höhe der Abschreibung. Es wird weiterhin mit dem Sammelposten über die Restnutzungsdauer abgeschrieben. Eine Sofortabschreibung des Restwerts erfolgt nicht.

Der Unternehmer hat ein Wahlrecht

Für Wirtschaftsgüter mit Nettoanschaffungskosten zwischen 250 € und 800 € hat der Unternehmer zum Jahresende ein Wahlrecht. Er kann für diese GWG den vollen Betriebsausgabenabzug im Anschaffungsjahr in Anspruch nehmen oder sie in einem Sammelposten zusammenfassen und über 5 Jahre abschreiben. Hierbei ist aber zu beachten, dass das Wahlrecht für alle Wirtschaftsgüter, die im laufenden Jahr angeschafft werden und deren Anschaffungskosten 1.000 € nicht übersteigen, nur einheitlich ausgeübt werden kann. Wird für alle GWG der volle Betriebsausgabenabzug gewählt, sind die Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten zwischen 801 € und 1.000 € über die tatsächliche Nutzungsdauer abzuschreiben. Die Bildung eines Sammelpostens ist insoweit dann nicht möglich.

Fragezeichen-braun.pngBeispiel: Der Unternehmer schafft im laufenden Wirtschaftsjahr 3 Stühle mit Nettoanschaffungskosten von jeweils 150 €, 3 Regale mit Nettoanschaffungskosten von jeweils 300 € und ein Mobiltelefon mit Nettoanschaffungskosten von 850 € an.

Gluehbirne_braun.pngEr hat somit die Möglichkeit, die Kosten für die Stühle und die Regale in Höhe von insgesamt 1.350 € sofort als Betriebsausgabe abzuziehen, weil es sich hierbei jeweils um GWG handelt. Die Anschaffungskosten für das Mobiltelefon sind über dessen tatsächliche Nutzungsdauer abzuschreiben. Alternativ kann der Unternehmer auch einen Sammelposten für die Regale und das Mobiltelefon bilden und die Kosten über einen Zeitraum von 5 Jahren linear abschreiben. Die Anschaffungskosten für die Stühle bleiben in voller Höhe sofort abzugsfähig, weil die Grenze von jeweils 250 € nicht überschritten wird.

Welche Aufzeichnungspflichten bestehen für den Unternehmer?

Für GWG, deren Anschaffungskosten 250 € übersteigen, gelten ab 2018 besondere Aufzeichnungspflichten. Sie müssen zu Dokumentationszwecken in einem gesonderten Verzeichnis erfasst werden, und zwar unter Angabe des Tags der Anschaffung oder Herstellung und der Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Auf ein solches Verzeichnis kann unter Umständen nach § 6 Abs. 2 Satz 4 EStG verzichtet werden, wenn diese Angaben aus der Buchführung ersichtlich sind. Für geringwertige Wirtschaftsgüter mit einem Wert von bis zu 250 Euro gelten hingegen keine besonderen Aufzeichnungspflichten.

Nützliche Informationen zu aktuellen Themen des Steuer-und Verfahrensrecht erhalten Sie auch in unseren Seminaren:

Jahreswechselschulung

Aktuelles aus dem Verfahrensrecht